Franz Erhard Walther, Probenähungen, 2012

Franz Erhard Walther

Perpetuum mobile:
Lager • Sockel • Handlung 

 

26. April - 1. September 2013

 

Eine Ausstellung der Kunstsammlungen
der Ruhr-Universität Bochum - im
Kubus von Situation Kunst

Franz Erhard Walther gehört zu den international bedeutenden Bildhauern, die mit ihren Arbeiten die Kunst maßgeblich verändert haben. Mit seinen Werksätzen, die aus Betrachtern Teilnehmer machen, gilt er als ein Pionier der Partizipationskunst. Eine Ausstellung der Kunstsammlungen der Ruhr-Universität präsentiert raumbezogene und grafische Arbeiten. Sie zeigen, dass er die Kunstproduktion und -rezeption als einen permanenten Prozess begreift: aus Lagerformen werden Werke, die als Sockel dienen können oder zu Handlungen animieren.
    
Walther studierte Anfang der 1960er-Jahre mit Gerhard Richter und Sigmar Polke bei Karl Otto Götz an der Düsseldorfer Kunstakademie. Während sich Richter und Polke an der Pop Art orientierten und Joseph Beuys wichtige Impulse von der Fluxus-Bewegung aufnahm, entwickelte Franz Erhard Walther seine künstlerische Sprache im Umfeld der US-amerikanischen Kunst der 1960er- und 1970er-Jahre. In der amerikanischen Kunst dieser Zeit ging es darum, den europäischen Werkbegriff zu verabschieden. Künstler wie Richard Serra oder Robert Morris experimentierten ebenso wie die Tänzerinnen und Tänzer des „Neuen amerikanischen Tanzes“ mit einfachen Handlungen. Das Publikum wurde in den Prozess der künstlerischen Aktion einbezogen. Hier setzt Walther sein Werk bestimmende Fragestellung an.

Viele internationale zeitgenössische Künstler, wie beispielsweise Tino Seghal oder Santiago Sierra, beziehen sich in ihrer Arbeit ausdrücklich auf ihn. Und international renommierte Ausstellungsinstitutionen wie die Dia Art Foundation (2010-12) oder das Museum of Modern Art in New York (2012-13) unterstreichen mit Ausstellungen und Werkvorführungen die Bedeutung seiner Arbeit für die zeitgenössische Kunst.

Diese Aktualität wird auch in der Ausstellung Franz Erhard Walther - Perpetuum mobile: Lager • Sockel • Handlung deutlich. Ortsspezifische Installationen und Zeichnungen führen zentrale Aspekte der Arbeit von Franz Erhard Walther vor Augen und machen den transitorischen Status von Gegenständen in seinem Werk deutlich. Je nach Einbindung und Gebrauch verwandeln sie sich von Lagerformen zu Werkformen und zu Objekten, die zu Handlungen einladen und als Sockel für Akteure fungieren. So dienen Werkstücke aus den Jahren 1969 bis 2003 als Elemente für eine neue ortsbezogene Installation. Walthers Schreit- und Standstücke ermöglichen neue Raum- und Werkerfahrungen: Die Besucher werden eingeladen, sich auf ihnen zu bewegen und so die Objekte, den Raum und auch die Beziehung zueinander sowie zu anderen Akteuren neu zu erfahren. Korrespondierend dazu veranschaulichen Zeichnungen den prozessualen Charakter von Walthers handlungsbezogener künstlerischer Arbeit.  

Kuratorische Leitung: Dr. Friederike Wappler
Die Ausstellung wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler erarbeitet. Studierende der Kunstgeschichte wurden und werden in der Masterphase ihres Studiums in den Prozess der Ausstellungsrealisation und in deren Vermittlung einbezogen.

Hinweise zum Künstler: Franz Erhard Walther (geb. 1939 in Fulda) hat den Begriff der Skulptur in den 1960er-Jahren maßgeblich erweitert. Er wandte sich gegen eine Auffassung von Kunst, in der Werke dauerhaft und unveränderbar präsentiert werden. In den 1960er-Jahren ermöglichte er prozesshafte Erfahrungen im Umgang mit seinen textilen Objekten, seit Ende der 1970er-Jahre produziert er Installationen, die einen aktiven Dialog zwischen den Werken und ihren Rezipienten ermöglichen.

Franz Erhard Walther lebte 1967-1971 in New York und stellte dort 1969 seinen „1. Werksatz“ im Museum of Modern Art aus. In demselben Jahr nahm er an der legendären Ausstellung „Live in your head: When attitudes become form“ in Bern teil. Er war Teilnehmer der documenta 5, 6, 7 und 8, die neue Möglichkeiten des Zusammenspiels von Kunst, Raum und Betrachter untersucht haben. Als Professor für Bildhauerei an der Hamburger Kunsthochschule (1971-2005) hat er Künstlerinnen und Künstler wie Rebecca Horn, Martin Kippenberger, John Bock, Lili Fischer und Santiago Sierra ausgebildet.
Heute lebt und arbeitet er in Fulda, wo auch die Franz Erhard Walther Foundation ihren Sitz hat.

 

Katalog:

Ein Buch zur Ausstellung erscheint im Oktober 2013 im Verlag "richter/fey" in Düsseldorf.

 

 

 

Mit freundlicher Unterstützung

des Fördervereins Situation Kunst - Haus Weitmar e.V.
und der NATIONAL-BANK A.G., Essen