Situation.Landschaft

Ab Juli 2013 stellt Situation Kunst (für Max Imdahl) in einer neuen Veranstaltungsreihe einzelne Werke von bedeutenden Künstlern wie Roy Lichtenstein, Pierre Bonnard, Gustave Courbet, Lovis Corinth, Kurt Schwitters und Aert van der Neer vor. Die Werke aus insgesamt vier Jahrhunderten gehören zum Ausstellungskonvolut „Weltsichten“ und werden eigens für die Betrachtung vor einem jeweils wechselnden thematischen Horizont einzeln präsentiert. Hier finden Sie alle Termine im Überblick.

2010, im Jahr der Europäischen Kulturhauptstadt, konnte mit der erfolgreichen Ausstellung „Weltsichten. Landschaft in der Kunst seit dem 17. Jahrhundert“ die Eröffnung des Kubus von Situation Kunst gefeiert werden. Nach einer deutschlandweiten Tournee mit Stationen in der Kunsthalle zu Kiel, dem Museum Wiesbaden, den Kunstsammlungen Chemnitz und dem Museum Dieselkraftwerk Cottbus werden die Kunstwerke im kommenden Jahr wieder auf Reisen gehen, unter anderem zum Bonnefantenmuseum Maastricht.

In der Zwischenzeit bietet die Veranstaltungsreihe die einmalige Gelegenheit, einen exklusiven Blick auf einzelne Werke zu werfen und jeweils einen besonderen Aspekt zu diskutieren – ein Angebot, das zur Zeit kein anderes Museum der Region in dieser Form bietet. Außerhalb der regulären Öffnungszeiten können sich alle Interessierten und Freunde des Hauses einmal im Monat in einer ungezwungenen Atmosphäre bei Wein und Brezeln über unterschiedliche künstlerische Blickwinkel auf das Thema Landschaft austauschen. Fragen und Diskussionsbeiträge sind ausdrücklich erwünscht.

Zu jedem Termin ist ein Gast eingeladen, der mit seinem Fachwissen besondere Hintergrundinformationen geben und neue Perspektiven eröffnen kann. Den Auftakt bildet am 4. Juli um 18 Uhr Peter Waldeis, ehemaliger Chefrestaurator des Frankfurter Städel, der durch seinen Beruf als Restaurator einen ganz spezifischen Blick auf Kunst entwickelt hat. Gegenstand dieser ersten Veranstaltung wird die von Waldeis vorgenommene Restaurierung des Gemäldes „Flusslandschaft im Mondlicht“ von Aert van der Neer (1603/1604–1677) sein. Waldeis hat die einzelnen Schritte der Restaurierung des Gemäldes dieses berühmten niederländischen Malers dokumentiert und wird sie für die Besucher nachzeichnen.

 

Mit den Gemälden „Landschaft bei Doubs“ (1866) von Gustave Courbet und „Schleppschiff“ (1912) von Pierre Bonnard widmet sich die Gesprächsreihe am Donnerstag, dem 8. August den Werken zweier Künstler, die die Sinneseindrücke eines Augenblicks und die Subjektivität der Wahrnehmung ins Zentrum ihres künstlerischen Interesses rücken. Das klassische Landschaftsbild löst sich zunehmend auf und wird zum Spielfeld eines modernen Kunstverständnisses. Richard Hoppe-Sailer, Professor am Kunstgeschichtlichen Institut der Ruhr-Universität Bochum wird vor diesem Hintergrund der Frage nachgehen, wie sich das Sujet Landschaft mit tendenzieller Abstraktion und Ungegenständlichkeit vereinen lässt. Denn Courbet und Bonnard vergegenwärtigen in den beiden eigens für die Veranstaltung präsentierten Werken Naturphänomene durch die Akzentuierung rein malerischer Mittel wie Farbgebung und Pinseltextur.

 

Am Donnerstag, dem 12. September geht es um das Gemälde „Einbringung des Fischfangs in Abendstimmung“ (1652) von Jan van Goyen und die Fotografie „Gepflügter Acker, Neuss-Kapellen“ (2001) der Becher-Schülerin Simone Nieweg. Dr. Alexander Linke, Dozent des Kunstgeschichtlichen Instituts der Ruhr-Universität Bochum und die Masterstudentin Janne Lenhart besprechen an diesem Abend bildtheoretische Fragen, die sich aus der Gegenüberstellung eines klassischen niederländischen Landschaftsgemäldes des 17. Jahrhunderts und einer zeitgenössischen Fotografie ergeben: Ausgehend von kompositorischen Gemeinsamkeiten beider Werke wird es u.a. um Spezifiken des Wirklichkeits- und Zeitbezugs der unterschiedlichen Bildmedien gehen.

 

Die Malerei des chinesischen Künstlers Qiu Shihua (*1940) stellt die Betrachter am Donnerstag, dem 10. Oktober 2013 vor besondere Herausforderungen, denn sie bewegt sich an den Grenzen des Sichtbaren. In dem eigens für die Veranstaltung präsentierten, annähernd ungegenständlichen Bild von Qiu Shihua scheinen Landschaftsansichten schemenhaft auf und entziehen sich wieder; nichts lässt sich fixieren. Silke von Berswordt-Wallrabe, Vorsitzende der Stiftung Situation Kunst und Co-Organisatorin der Ausstellungsreihe „Weltsichten“, fragt nach den Erfahrungsmöglichkeiten, die diese außergewöhnliche Malerei eröffnet. Dabei geht es sowohl um Bezüge zur traditionellen chinesischen Malerei als auch um vergleichbare Erfahrungen mit Werken der neueren (westlichen) Kunst.

 

Das Gesamtkonvolut der „Weltsichten“ und die Präsentation der – nach Bochum und Kiel – dritten Station der Ausstellung im Museum Wiesbaden (22. August – 3. Oktober 2011) rückt am Donnerstag, dem 14. November in den Blickpunkt. Dr. Peter Forster, Kustos der Wiesbadener Sammlungen des 14. bis 19. Jahrhunderts, der die Ausstellung für das Haus realisierte, erörtert damit verbundene kuratorische Aufgaben und Problemstellungen. Wie wurde eine mehr als 250 Werke umfassende Schau, die Landschaftskunst vom 17. Jahrhundert bis zur jüngsten Gegenwart vereint, geplant, organisiert und umgesetzt? Welche Entscheidungen wurden hinsichtlich inhaltlicher und praktischer Fragen wie Werkauswahl, Hängung, Beleuchtung und Raumgestaltung oder auch hinsichtlich der Konzeption des 2010 erschienenen begleitenden Katalogs getroffen? Diese und viele weitere Aspekte und Hintergründe der Museumsarbeit werden an diesem Abend gemeinsam besprochen.

 

Unter dem Gesichtspunkt „Der Mensch in der Landschaft“ werden am Donnerstag, dem 12. Dezember Werke aus drei verschiedenen Epochen betrachtet. Im Gespräch mit den Besuchern erschließen die Masterstudentinnen und Mitarbeiterinnnen von Situation Kunst (für Max Imdahl) Patricia Hartmann und Glenda Mense die „Berglandschaft mit Reisenden“ (1620er Jahre) von Joos de Momper dem Jüngeren, die winterliche Szene „Stadtbild Winter“ von Oskar Keen (1888) und die Fotografie „Huband Bridge“(1966) von Evelyn Hofer unter verschiedenen Fragestellungen. Inwiefern wird die Betrachtung eines Landschaftsbildes beeinflusst, wenn Menschen darin verortet sind? Wie verändert sich die Bildaussage, wenn Menschen vereinzelt oder in Gruppen die Landschaft besiedeln? Hat der Mensch in der Landschaft eine spezifische Symbolkraft? Darüber hinaus soll anhand der Bildbeispiele veranschaulicht werden, wie die Blickrichtung des Betrachters durch kompositorische Mittel gelenkt wird.

 

Die vorerst letzte Veranstaltung der Reihe Situation.Landschaft widmet sich am Donnerstag, dem 9. Januar um 18 Uhr, dem Werk des aus Oberhausen stammenden Fotografen Rudolf Holtappel. Das Sujet seiner seit den 1950er Jahren entstandenen Fotografien sind das industriell geprägte Ruhrgebiet und seine Bewohner. Holtappels Motive, wie die allgegenwärtigen Hochhöfen und Fördertürme der inzwischen größtenteils stillgelegten Zechen, sind in der Region längst Teil des kollektiven Gedächtnisses geworden. Mit Humor und einer ausgeprägten Fähigkeit, den entscheidenden Augenblick einzufangen, hat Holtappel eine spannende Dokumentation der jüngeren Geschichte des Ruhrgebiets und seiner Menschen geschaffen.
Rudolf Holtappel, der bereits vor einiger Zeit als Gast für die Reihe Situation.Landschaft zugesagt hatte, starb im November 2013 im Alter von 90 Jahren. Seine langjährige Weggefährtin und Ehefrau Herta Holtappel wird nun im Gespräch mit den beiden Kunsthistorikerinnen und Initiatorinnen der Gesprächsreihe Anna Storm und Ronja Friedrichs über Leben und Werk des Fotografen berichten.

 

Wir möchten Sie herzlich einladen, sich an den jeweiligen Gesprächen über Landschaften in der Kunst zu beteiligen. Wein und Gebäck werden gereicht.

Es wird um telefonische oder schriftliche Anmeldung gebeten.
Die Teilnahmegebühr beträgt 5 Euro (mit Anmeldung 3 Euro).