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Ausstellungseröffnung "Im Visier"

mit einem Künstlervortrag von Timm Ulrichs

 

Dienstag, 29. April, 19.00 Uhr

 

Der performativ und multimedial arbeitende Künstler Timm Ulrichs wurde 1940 in Berlin geboren. Von 1959 bis 1966 studierte er Architektur an der Technischen Hochschule in Hannover. 1972 wurde er als Professor der Kunstakademie Düsseldorf/Münster berufen, 2005 emeritiert. Er lebt und arbeitet in Hannover und Münster.

 

Beeinflusst durch die Ausweitung der Kunst auf Dinge der Lebenswelt im Sinne eines Duchampschen ‚Ready-mades‘ und vor allem der Merzkunst Kurt Schwitters greift er das künstlerische Projekt der historischen Avantgarden auf, Kunst und Leben zu verschränken. Er legt den Begriff der Ideenkunst (Duchamp) bzw. der Konzeptkunst (Sol LeWitt) seit den 1960er Jahren so aus, dass er sein Leben, seinen Alltag, seinen Körper etc. zum Subjekt und Objekt seiner Kunst macht. Als Gründer der „Werkzentrale für Totalkunst und Banalismus“ (Hannover 1961) entwickelt er eine Weiterführung - respektive Ausweitung - des Kunstbegriffs. Indem er sich selbst mit dem Titel „Erstes lebendes Kunstwerk“ versieht und in Konsequenz daraus Kunst als das bezeichnet, was er ist, wirkt er in seinen Arbeiten und Schriften (u.a. „Vermählung mit Anna Blume“, „Timm Ulrichs Kunstpraxis“, letztere nach Vereinbarung stattfindende Sprechstunden mit Ulrichs) erklärtermaßen auf eine Umwälzung von einer ‚geozentrischen‘ zu einer ‚egozentrischen‘ Weltsicht hin. Mit seiner künstlerischen Arbeit überschreitet er bewusst Genregrenzen: Er verfasst konkrete Poesie, agiert als Performancekünstler, arbeitet bildhauerisch.

 

Die Ausweitung der Kunst auf seine Person (als Akteur und als Material seiner Kunst) macht ihn zu einer Schnittstelle verschiedener Künste. Er stellt sich selbst aus, vermisst seinen Körper, setzt sich als lebendiger Blitzableiter der Wirklichkeit von Leben und Tod aus. Dass dieses künstlerische Spiel Realität und Fiktion verschränkt, zeigt seine Augenlid-Tätowierung „The End“.

 

Seine Sprachspiele, Tautologien und Aktionen stellen sich der Frage, was Kunst ist und historisch noch sein kann. Testamentarisch hat sich Timm Ulrichs bereit erklärt, sich nach seinem Tod in der Kasseler Künstler-Nekropole bestatten zu lassen.

 

Während der Dauer der Ausstellung zeigen wir den Film "Ich kann keine Kunst mehr sehen: Timm Ulrichs - Totalkünstler" von Wolfgang Presler, Köln, 1990, WDR (45 Min.), jeweils zu den Öffnungszeiten, außer sonntags (siehe hierzu separates Filmprogramm).

 

Die Ausstellung wird bis einschließlich 1. Juni zu sehen sein.