Erfahrung von Kunst - 100 Jahre Merleau-Ponty

2-tägige Konferenz

Donnerstag, 13. und Freitag, 14. März 2008

 

Am 14. März 2008 jährt sich der 100. Geburtstag des Philosophen Maurice Merleau-Ponty (1908-1961). Merleau-Pontys Denken hat in vielen verschiedenen Bereichen seine Spuren hinterlassen, so wird er beispielsweise aufgrund seiner Wahrnehmungsstudien auch in den neurophilosophischen Debatten diskutiert. Einer der Schwerpunkte seines Denkens ist jedoch im Bereich von Kunst und Wahrnehmung anzusiedeln. Da die Aktualität seines Denkens weltweit ungebrochen ist, finden zu seinen Ehren auf der ganzen Welt Jubiläumstagungen statt, so in den USA, Toronto, Paris, Manchester, Peking, Prag usw.

 

Bereits die intensive Studie zu Paul Cézanne macht deutlich, inwiefern eine phänomenologische Befragung die üblichen Ästhetiken überschreitet. Diese Innovation blieb nicht ohne Resonanz, lassen sich doch sogar in der Minimal Art bis hin zu Künstlern wie Frank Stella, Robert Rauschenberg, Jasper Johns und Bill Viola Spuren dieser Reflexion finden. Doch auch andere Künstler wie Paul Klee, Van Gogh, Renoir, Tintoretto, Matisse und viele mehr standen im Fokus der Reflexionen, welche die kunsttheoretischen Erörterungen zur Bild- und Kunstwerktheorie von Edmund Husserl, Martin Heidegger, Jean-Paul Sartre oder André Malraux hinter sich ließen. Ließe man die Ahnengalerie der Denker der abendländischen Ideengeschichte Revue passieren, so fände sich sicherlich für die meisten Vertreter ein Stichwort, das ihren Wiedererkennungswert verbürgt. So kennen wir Platon als Erfinder des Höhlengleichnisses, Descartes als Denker des cogito ergo sum, Hobbes als Denker, der den Menschen als Wolf beschreibt, Kant als Erfinder der Transzendentalphilosophie, in der sich die Dinge nach unserer Erkenntnis richten und Kierkegaard als Philosophie der Glaubensparadoxien. Merleau-Ponty wird in die Geschichte sicherlich als Denker des Sichtbaren und des Unsichtbaren eingehen. Eine wichtige Rolle in der Philosophie Merleau-Pontys kommt dabei dem Begriff der Erfahrung zu. In dieser Hinsicht zeigt sein Denken Parallelen zur kunsthistorischen Praxis von Max Imdahl, der insbesondere Werke der Gegenwartskunst als durch nichts Anderes zu ersetzende Erfahrungsangebote verstand. Im Rahmen der Tagung in Situation Kunst (für Max Imdahl) bietet sich die Gelegenheit, Aspekte der phänomenologischen Theorie auch vor Originalwerken zu diskutieren.

 

Die interdisziplinäre Tagung soll nicht nur Merleau-Pontys innovative Vorstöße würdigen, sondern die Kraft der durch den frühen Tod unterbrochenen Gedankengänge sinnvoll und produktiv für neue Analysen zu dieser komplexen Thematik öffnen.

 

Die Tagung wird von Prof. Dr. Antje Kapust vom Philosophischen Institut der Ruhr-Universität-Bochum geleitet.

Im Fink Verlag wird in Kürze eine begleitende Publikation mit den Aufsätzen der Tagungsmitglieder und anderer Autoren erscheinen. Herausgeber sind Prof. Dr. Antje Kapust und Prof. Dr. Bernhard Waldenfels.

 

Das Projekt wird gefördert durch die Gesellschaft der Freunde und Förderer der Ruhr-Universität-Bochum.